Offener Brief an das BAG/ Schweiz und die Kantonsbehörden

Sehr geehrte Frau Levy, BAG und die Kantonsbehörden

In der heutigen Samstagsrundschau wurden Sie zur Impfsituation in der Schweiz befragt.

Leider befriedigen Ihre Antworten überhaupt nicht.

Man versuche die Pandemie „irgendwie zu managen“, sagten Sie relativ zu Beginn. Es tut uns leid aber „irgendwie“ ist bei weitem nicht gut genug, aber leider sieht es tatsächlich nach „irgendwie“ aus: es wird gelogen und herumgebastelt statt zielgerichtet gehandelt.

Als nächstes kam Ihre Ausrede: „Die ganze Welt will den gleichen Impfstoff“. Ja, das ist klar. Aber warum ist die Schweiz eines der wenigen europäischen Länder, die viel zu wenig Impfstoffe bestellt haben und/ oder erhalten haben? Und der wenige, bisher angekommene, wurde noch nicht einmal verimpft, obwohl – wie alle wissen – dieser Impfstoff nicht sehr lange haltbar ist. Das ist schlicht ungeheuerlich.

Sehen Sie sich die folgende Seite an: https://ourworldindata.org/covid-vaccinations

Auf dieser Seite wird genau aufgeführt, welches Land welchen Impfstoff bestellt hat und wieviel damit schon geimpft wurde. „230’000 Dosen seien in der Schweiz schon gelandet“, sagen Sie. Und wieviel davon wurde schon gebraucht? Praktisch nichts, im Vergleich mit anderen Staaten, auch kleineren europäischen. Gar nicht zu reden von Israel, das bei weitem am effizientesten, besten und als einsame Spitze punkto Impfung dasteht. Warum kann sich die Schweiz nicht an Israel ein Beispiel nehmen und schauen, wie das dort organisiert wird???

Die Schweiz ist ein mit Israel vergleichbar grosses Land, vergleichbar weit fortgeschritten, sollte man meinen. Aber der Leistungsausweis bezüglich Impfung in der Schweiz ist bisher Null. Sogar schlechter als Null, wenn man bedenkt, wie entwickelt das Land ist und wie teuer unser Gesundheitssystem und wenn man sieht, dass z.B. Bahrain und die Arabischen Emirate schon 4,6% bzw 9,5% der Bevölkerung geimpft haben. Israel am 7. Januar schon 19,5%.
Da können Sie doch unmöglich behaupten, dass wir schon „weit sind im Vergleich mit anderen Ländern“. Sogar das korrupte Rumänien und Länder wie Kroatien oder Slovenien haben schon Impfraten von 0,4 – 0,8%.
Die Schweiz ist in dieser Tabelle (https://ourworldindata.org/covid-vaccinations) noch nicht einmal im 0,01% Bereich aufgeführt. Sie selbst behaupten ganz einfach (ich zitiere Sie wieder) „Die meisten europäischen Länder sind weniger weit als die Schweiz.“ Das ist, Entschuldigung, eine glatte Lüge. Die Schweiz ist, soweit man sehen kann, eines des wenigen Länder in Europa, in dem weder die Anmeldungen zur Impfung, noch diese selbst klappen.

Wir haben rein gar nichts: KEINE funktionierende Software zur Anmeldung, UNGENÜGENDE Mengen Impfstoff und völlig desinteressierte Kantonspolitiker, die beim Aufbau und der Organisation von Impfzentren herumbummeln und ausserdem viel zu wenige einrichten. In Israel wird überall geimpft. Im Kanton ZH zur Zeit nur in Zürich selbst und viele ältere Leute wurden wieder heimgeschickt, weil die Anmeldung schief lief, oder sie konnten sich überhaupt nicht anmelden. Das Gleiche im Aargau, in Basel, überall. Im Kanton TG ist noch nicht einmal eine Information für Montag, nein, jetzt heisst es Dienstag, aufgeschaltet, wenn angeblich ein Impfzentrum in Frauenfeld entstehen soll. Fragt man bei Hausärzten nach, heisst es entweder „man impfe nicht“ oder bekommt gar keine Antwort.

Wie unter solchen deplorablen Zuständen, geprägt von Lügen, Nachlässigkeit und Desinteresse bis „Juni alle durchgeimpft“ sein sollen, ist uns ein Rätsel. Es ist wahrscheinlich auch schon wieder eine Lüge zur Beschwichtigung der steigenden Empörung in der Bevölkerung.
Wir haben eine derartige Inkompetenz habe ich im ganzen Leben noch nie gesehen.

Auch Ihre Aussage „die Leute gehen zu wenig zum Testen“ ist absolut falsch. Wir kennen sehr viele, die sich testen lassen wollten, aber nicht durften, abgelehnt wurden.

Wir brauchen nicht, wie Sie sagen, „ein bisschen Geduld.“ Wir brauchen fähige und effiziente Behörden, auf allen Ebenen, angefangen bei Ihnen im BAG bis hinunter in jede Gemeinde, damit endlich das Impfen vom Fleck gebracht wird.

Die NZZ hat heute in einem Artikel geschrieben, jeder weitere solche von Corona geplagte MONAT koste die Volkswirtschaft 1,2 Milliarden CHF!
Dagegen sind die Ausgaben auch für den teureren Pfizer Impfstoff, ein Klacks. Ganz zu schweigen von den unzähligen Schwerkranken und Toten, die es tagtäglich gibt und nicht gäbe, wenn endlich geimpft würde.
Diese, Frau Levy, haben alle unfähigen Behördenmitglieder, die nun mit den dümmsten und billigsten Ausreden ihr Versagen bei der Impfpolitik beschönigen, auf dem Gewissen.
Wenn man Impfstoff kaufen könnte und es zu spät und in zu geringen Mengen tut, wenn man den Impfstoff lagert statt impft, wenn man das Impfen vor allem für die gefährdeten Älteren erschwert und verzögert (ob aus Dummheit oder Absicht) ist das UNTERLASSENE HILFELEISTUNG!

Wieso organisieren Sie das Impfen nicht via die Gemeinden, die ja Daten aller Bewohner/innen haben? Statt auf diese Software zu warten, die es schon längstens geben sollte.
Hätten die Wissenschaftler denen wir die Impfstoffe zu verdanken haben, derart getrödelt und die Zeit verblödet, wie es die Behörden hier tun, wir hätten noch in zehn Jahren keinen Impfstoff.

Ich hoffe sehr, dass Sie endlich diesen tröligen Kantonsbehörden Beine machen, nicht ständig nach Ausreden für Versagen auf allen Ebenen suchen und nicht ständig die Verantwortung hin und herschieben, sondern endlich eines tun:IMPFEN!