Ein kleiner Vergleich- und grosse Folgen

Israel hat ca 9.1 Million Einwohner, die Schweiz hat ca 8.5 Millionen. Es sind beides Demokratien, moderne Staaten mit guter Infrastruktur, Industrie, Universitäten und Forschung. Man kann die beiden Länder also durchaus vergleichen. Da endet aber die Ähnlichkeit leider auch schon.

Israel hat in den letzten 10 Tagen (20. – 30. Dezember 2020) 650’000 (Sechshundertfünfzigtausend) Bürgerinnen und Bürger geimpft. Das sind 65’000 pro Tag und mehr. Die Schweiz fing erst am 23. Dezember in ganzen 4 Kantonen mit dem Impfen an – von je einer Handvoll Bewohner von Alters- und Pflegeheimen, obwohl schon mehr Impfstoff verfügbar wäre.

Man nimmt es gemütlich, trödelt, lagert den Impfstoff erst mal ein, obwohl der Biontech/ Pfizer Impfstoff für sehr baldigen Gebrauch gedacht ist.

Die Bundesregierung in Bern und die Kantonsregierungen lassen sich Zeit. Unterdessen ist das so hoch gelobte Schweizer Gesundheitswesen am Anschlag, die Intensivstationen sind voll, Pflegepersonal und Ärzte erschöpft, das ganze Land hat genug von dem Drama. Und täglich STERBEN ZU VIELE MENSCHEN.

Aber wird geimpft wie in Israel?

Nein! Woher denn.

Man nimmt sich nochmals gemütliche zwei Wochen Zeit, bis zum 11. Januar, bis man mal Impfzentren – sehr wenige!!! pro Kanton erst mal ein oder zwei – errichtet. Ganz wenige Kantone wollen immerhin am 4. Januar starten. Ob das dann auch funktioniert, ist sehr ungewiss.

Und: Über ein gut funktionierendes Anmeldesystem zu Impfterminen verfügt noch überhaupt niemand. Das Zürcher System ist kurz nach der Aufschaltung ins Internet zusammengebrochen: „Man habe nicht mit einem solchen Ansturm gerechnet.“

Ja, ist denn diesen Behörden noch zu helfen? Da liegt das Land abwechselnd im halben, ganzen oder Dreiviertel Lockdown, Skigebiete gehen auf und zu, die Zahlen von Kranken und Toten steigen und steigen und man gibt sich überrascht, dass die Leute sich impfen lassen wollen??

Auf Anfrage hin bekamen wir von einem kantonalen Gesundheitsamt die folgende „erhellende“ Information, (in mässig guter Ausdrucksweise) dass „Anfangs Januar eine Medienmitteilung rauskommen wird, wie der Ablauf der Impfungen sein wird. Es wird ein Tool von dem BAG zur Verfügung gestellt, worüber die Anmeldung der Impfungen laufen wird. Dieses Tool ist leider schweizweit noch nicht vorhanden. Wir hoffen dies wird baldmöglichst soweit sein.“ Hervorhebung von uns, und: Das sollte kein Witz sein.

Seit 11 Monaten entwickeln Wissenschaftler/innen fieberhaft Impfstoffe. Seit 11 Monaten weiss man, dass diese kommen werden. Von den Zulassungsbehörden wurde jeder kleinste Fortschritt zur Kenntnis genommen und überwacht und da gibt sich ein Herr Berset, da geben sich die Gesundheitsdirektoren und -innen der Kantone überrascht, dass es Impfstoff gibt und man den auch noch ANWENDEN MUSS! Und zwar JETZT!

Das kommt einem so vor wie bei den Bahnen und Strassen – jeden Winter: Man weiss, dass es Schnee geben wird – jeden Winter. Man steckt schon mal hohe Pfosten entlang exponierter Strassen, man füllt schon mal die Kisten auf mit Split. Und wenn der Schnee dann kommt: Ei, was? DAMIT haben wir doch nicht gerechnet! Das ist aber nun echt zu schnell gegangen.

Irgendwo ticken Politiker/innen – es fällt uns sehr schwer, das sagen zu müssen – auch in der Schweiz nicht richtig. Sogar die Briten, unter ihrem kuriosen Boris, impfen nun wie verrückt.

Die Schweiz hat zur Zeit die siebthöchste STERBERATE DER WELT und man denkt gar nicht daran, mal einen Zahn zuzulegen beim Impfen. Obwohl die Schweiz angeblich zu den entwickeltsten Ländern der Welt gehört, mit einem angeblich erstklassigen Gesundheitssystem. Immer hübsch gemächlich, scheinen die Damen und Herren Verantwortliche zu sagen, erst mal Weihnachten feiern (selbstverständlich mit Warnungen versehen), dann mal die Skigebiete alle aufmachen und die britischen Gäste mit ihrem neuen Virustyp erst einlassen, dann in Quarantäne stecken, aus der sich etliche davongemacht haben, Destination unbekannt, dann mal Neujahr feiern (selbstverständlich auch wieder mit Warnung), dann mal wieder Skifahren und dann könnte man ja vielleicht mal noch ein bisschen mehr Impfstoff bei Pfizer/Biontech (gleich nebenan in DE) bestellen.

Und unterdessen sterben tagtäglich mehr und mehr Menschen und mehr und mehr Schwerkranke liegen auf den Intensivstationen. Kratzt keinen Schweizer Bundesrat, solange er/ sie nicht selbst dazugehört.

Wie gesagt: Macht mal eure Augen und Ohren auf, meine Damen und Herren, schaut mal nach Israel! So gehen Impfen, Vorsorge, Fürsorge und Verantwortung.

Und keine albernen Ausreden bitte, warum das in der Schweiz nicht auch funktionieren sollte, SO MAN WOLLTE!

Der Haken bei all diesen Politikern liegt immer beim WOLLTE.

Es nimmt uns nur Wunder, ob die Verantwortlichen sich bewusst sind, dass man klagen könnte. In den USA würden unter den gleichen Umständen schon Tausend Klagen laufen, wegen Pflichtverletzung, Körperverletzung, unterlassener Hilfeleistung – obwohl die Mittel dazu gegeben wären usw.

(30. Dez. 2020)