Deutschland verharrt weiterhin in der digitalen Steinzeit und riskiert die Gesundheit seiner Bevölkerung.

Es ist im Grunde unfassbar. Da werden 40.000 (vierzigtausend) Menschen bei ihrer Rückkehr aus dem Urlaub bzw. aus Corona Risikogebieten an den bayrischen Grenzen auf den Sars 2 Virus getestet.

Rückmeldungen wurden offenbar massiv verzögert oder erfolgten gar nicht, obwohl tausend Menschen positiv getestet wurden und somit als Infektionsquellen für andere zu großer Gefahr werden.

In der Pressekonferenz der bayrischen Gesundheitsministerin wird dann erläutert, dass die Daten nun zusammengeführt werden müssten bevor die Erkrankten und Nichtinfizierten informiert werden könnten. Wieso Herr Söder den Rücktritt seiner Gesundheitsministerin nicht annimmt? Wäre doch die richtige Reaktion. Es geht um nicht mehr als um die Gesundheit von vielleicht tausenden Menschen.

Wie geschieht denn das Zusammenführen der Daten? Per Hand, oder wenigstens per Excel Tabelle?

Ich frage mich wozu die deutschen Staatsbürger einen maschinenlesbaren Personalausweis oder Pass haben. Wieso werden keine E-Mail Daten oder wenigstens Handy Nummern erfasst? Wieso erfolgen die dringenden Benachrichtigungen nicht sofort bei positivem Testergebnis per E-Mail oder SMS an die Betroffenen?

Seit Jahren diskutiert man die elektronische Krankenakte, stolpert permanent über irgendwelche Datenschutzrichtlinien, eingebildet oder irrelevant. Das ist doch Sache und Entscheidung der Menschen und Patienten.

Wenn das halt alles wäre, was die digitale Steinzeit in Deutschland ausmacht. Fragen sie mal die, die online bei einer Behörde etwas anmelden wollen, z.B. ein Auto zulassen oder einen Führerschein beantragen.
Mich wundert es, dass man als Entschuldigung nicht den Telekommunikationsstandard 5 G anführt, bei dem dann alles viel schneller geht. Aber was nützt das, wenn Behörden, Ämter und Ministerien noch ihre Daten in Marmorplatten klopfen, so wie es die alten Römer taten.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler zur Schweinegrippe 2009: „Diese zögerliche Datenübermittlung an das RKI [verspreche ich] zu verbessern“. Im Jahr 2020 hat sich immer noch nichts geändert. Fazit: Versprechen von Politikern sind das Papier nicht wert, auf dem sie aufgeschrieben werden. Nichts als leere Luft.

Zu Hinterfragen wäre auch, was sich die Menschen in den Behörden und Ämtern eigentlich in dieser Situation denken und wie sie handeln. Sind die alle demotiviert oder gibt es sie vielleicht gar nicht?

In 40 Jahren Industrie und Hochschule habe ich eines gelernt: nicht zu handeln ist das schlimmste. Aber ich weiß auch aus Erfahrung, dass es genügend Menschen gibt, denen das entweder wurscht ist oder die glauben, die Sachen würden sich von allein erledigen, wenn man sie nur lange genug liegen lässt.

(14, August 2020)