Neues:

RemainerNow mit Fortsetzung

23.01.2019
 

EU Ade, Scheiden tut weh

"Stop the Brexit Mess"

"We want a people's vote"

so steht es seit neuestem auf britischen Plakaten zu lesen. Was sagt denn der lustige Polit-Clown Boris dazu?

Etliche ehemalige Brexit-Fans haben sich vom Saulus zum Paulus und in "RemainerNow“ ("Jetzt Brexit-Gegner") gewandelt und wollen, Wunder über Wunder,  jetzt doch in der EU verbleiben. Ein neues Referendum soll das nun richten und dasjenige von 2016 rückgängig machen.

"We're Remainer Now - a group giving voice to those who voted Leave in the 2016 EU Referendum who have changed their minds and are now supporting a People's Vote on Brexit". Die Herrschaften unterstützen nun eine Volksabstimmung zum Brexit. Aber, Moment mal: Die hatten sie doch schon! War die Abstimmung von 2016 denn etwa keine Volksabstimmung?

Ein bisschen spät dran, die Herrschaften, so 10 nach 12....

Raus, rein, raus, rein, raus...sie liebt mich, sie liebt mich nicht.....

Wissen die Briten, was sie wollen?

Ja- sie wollen den Kuchen essen und ihn behalten: "They want to eat their cake and have it."

Das, liebe Briten, geht leider nicht. Man lernt schon als Kind dass man nicht ALLES auf der Welt haben kann. Nur Vorteile, ganz ohne Nachteile, geht eben nicht.

Eigentlich eine Plattitüde, die jede/r wissen sollte. Offenbar aber hat sich das noch nicht bis ins United Kingdom herumgesprochen.

Jetzt, da es ernst gilt, sieht man im UK vor allem die Nachteile des Brexit. Als man ganz in der EU drin war, sah man offensichtlich nur die Vorteile eines Brexit.

Liebe Briten, es wird bestimmt nicht so schlimm kommen, wie befürchtet. Erst machten euch die Brexit Befürworter die Hölle heiss wegen des Verbleibs in der EU. Der EU-Teufel wurde vom lieben Boris und co an alle Wände geschmiert.

Jetzt passiert genau das Gegenteil, es wird euch das Fürchten gelehrt vor dem Draussen-Stehen. Draussen vor der Tür, huhuhu, dort ist es kalt und gruselig, dort seid ihr in der grossen, bösen Trump- und China-Welt ganz allein, ganz ohne Schutz und Schirm der lieben EU. 

Die kann auch keine Wunder bewirken. Und wo man besser aufgehoben ist, draussen oder drinnen: Dazu ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen.

Nur eines kann man nicht: Draussen sein und gleichzeitig drinnen.

Da muss man sich halt schon mal entscheiden. Und den getroffenen Entscheid nicht alle zwei, drei Jahre wieder umwerfen.

Es gibt, zum Trost sei es gesagt, ja noch etliche Andere, die draussen sind und gut damit fahren. Eine EU mit allen ihren Problemen - die noch lange nicht gelöst sind, nicht einmal im Ansatz- ist auch nicht nur das Gelbe vom Ei.

Fortsetzung (22. 1. 2019):

Unterdessen flirten Merkel und Macron (offenbar schätzt er ältere Damen sehr) herum und säuseln von einer Erneuerung und Vertiefung der EU. Daran muss man laut M&M noch "hart arbeiten". 

Sie liebt diese Worte: "hart arbeiten". Fragt sich nur, wann endlich einmal ein sinnvolles Ergebnis dieser "harten Arbeit" sichtbar wird.

Natürlich, nachdem sie die Briten vergrault hat, muss sie sich den lieben Macron warm halten. Betts/ Collier schreiben dazu: "The Schengen Area was de facto dismantled. Europe border controls were outsourced, on humiliating terms, to a non-European state with an authoritarian leader. But, most dramatically, the saga of the refugee crisis directly contributed to Brexit."  (S. 93, Hervorhebung von uns)

Ja, jetzt wird an der deutsch/französischen Freundschaft also hart gewerkelt.

Wir wollen keinerlei Missverständnis aufkommen lassen:Readon ist ein absoluter FAN von deutsch/französischer Freundschaft, denn nichts war so schlimm wie vorher die deutsch/französische Feindschaft, die in elende, jahrelange und äusserst grausame Kriege mündete.

Nun also und immer noch Freundschaft. Vielleicht denken die M&Ms aber auch mal daran, dass die EU nicht nur aus ihren beiden Hoheiten besteht, sondern aus sage und schreibe noch 25 (in Worten: Fünfundzwanzig - ohne Briten) anderen Nationen, die gerade so viel gelten wie F und DE und über die man, Freundschaft hin oder her, nicht einfach so hinwegtrampeln kann.

Der British Guardian schreibt: M&M "signed the 16-page update to the 1963 Elysée treaty on Tuesday in the German border city of Aachen, the residence of Charlemagne, the 'father of Europe' who managed to unite much of the western part of the continent in the ninth century."

Wie kann man nur etwas so falsch darstellen?! Karl d.Gr. sozusagen als "Vater Europas", der West-Europa "vereinigte". Sonst noch was. Er war darauf aus, sich möglichst viel Europa gewaltsam zu unterwerfen. Die Sachsen und Slawen im Osten konnten ein Lied davon singen. Von "Vereinigung" keine Spur, dafür umso mehr von Gewalt. Ausgerechnet diesen als Vorbild zu nennen zeugt schon von ziemlicher Geschichtsverdrehung und Beschönigung von Tatsachen. Einerseits.

Ist aber ja Mode heutzutage: Verdrehung von Fakten, daran arbeiten wirklich alle hart.

Und andererseits hat es ja vielleicht auch etwas Wahres: Die Kern-EU (sprich DE und F) trampelt über die Bedürfnisse der übrigen Europäer hinweg, wie Karl mit seinen Truppen vor 1'200 Jahren über die Sachsen und Slawen hinwegtrampelte und sie gewaltsan unterwarf und christianisierte. Hinterher konnte er sagen: "Das Christentum gehört zu Europa." M&M können heute sagen: "Der Islam gehört zu Europa". Und alle, alle haben "unsere lieben Gäste" aufzunehmen und zu bewirten. Das heisst, Letzteres sagt nur Merkel. Macron wird sich hüten; höchstens schiebt er Merkel noch mehr seiner eigenen "Gäste" unter. Sie versucht dann so viel wie möglich weiterzuverteilen. Allerdings ohne wirklichen Erfolg.

Denn, wie Dänemark so treffend bemerkt: Erst Gäste einladen und dann die Kosten dafür auf andere, die diese nie eingeladen hätten, abwälzen, das geht gar nicht.

Eigentlich hat sich in den 1'200 Jahren gar nicht soo viel Grundlegendes geändert. Die Herrschenden probieren immer noch die ganz genau gleichen Tricks, mit denen sie die Völker überlisten wollen. Sie versuchen ihre Torheiten immer noch als etwas unerhört Gutes zu verkaufen. Wie anno Karl- zumal.

(22.Jan.2019)