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She Looked Like the Cat that Got the Cream

01.06.2019
 

Merkel, die Halbheilige

Zaschke und Merkel in den USA

"Wenn US-Präsident Donald Trump am Freitagmorgen in Washington erwacht, ist Bundeskanzlerin Angela Merkel schon wieder in Berlin. Kurz nur weilte sie in den Vereinigten Staaten...."(/www.sueddeutsche.de/politik/angela-merkel-harvard)

Klingt das poetisch: sie kam, stieg, wie ein hehrer Lichtstrahl, vom Himmel herab, die Halbheilige, und siegte, den US Amerikanern echten Segen bringend. Müssen sie zur Zeit doch darbend so sehr darauf verzichten - ihres dummen, tumben Präsidenten wegen. Wie im Mittelalter, als die heiligen Päpste den armen Völkern die Segnungen des Glaubens vorenthielten, wenn sie den Bannstrahl auf deren dumme, tumbe Herren lenken mussten, falls Letztere die kirchliche Autorität gar zu sehr anzweifelten.

Der dumme, tumbe Trump war natürlich nicht anwesend bei der überirdischen Erscheinung des göttlichen Wesens, nein, der verschlief dies alles, ohne des Segens der Halbheiligen teilhaftig zu werden, die sich auf unsichtbaren Schwingen schon wieder in ihre halbgöttliche Heimat zurück gezogen hatte, bevor der Dummerling überhaupt wach wurde.

"Aber" - so hofft jedenfalls ihr Hofschreiber -"...bei den denkenden Kreisen des politischen Establishments in Amerikas Hauptstadt" hat sie sicherlich "einigen Eindruck" hinterlassen. Und da Trump sowieso als nicht-denkend gilt, macht es ja auch nichts, dass er die heilige Merkel verpasst hat.

Was genau hat Merkel denn in Harvard/ Boston getan? Wieso ist sie trotz Gefahr für das göttliche Klima denn nur für einen Tag dorthin geflogen? Ca 10 Stunden lang (pro Flug) die Luft mit höllischem Kerosin verpestend?

"Das liegt daran", berichtet uns ihr hingebungsvoller Biograf, alias Hofjournalist, "dass Merkel am Donnerstag an der Universität Harvard bei Boston eine Rede gehalten hat, die ihre Biografen vermutlich dereinst als eine Art politisches Vermächtnis interpretieren werden." Er hofft selbstverständlich auf noch mehr solcher Reden - apropos, wer schreibt die eigentlich für die Göttliche??- aber "vielleicht bleibt diese Rede auch die einzige ihrer Art, denn die Szenerie war einmalig, die Umstände unvergleichlich".

Was war denn nun so unvergleichlich?

Merkel hielt ihre Rede vor den Harvard Absolventen des Jahrgangs 2019. "Es gab allerlei Brimborium drumherum, zum Beispiel wurde ihr eine Ehrendoktorwürde verliehen, was sie sichtlich erfreute".

Ach so, die Ehrendoktorwürde ist das "Brimborium drumherum", so eine unbedeutende Kleinigkeit, die sie aber in ihrer merkelschen Bescheidenheit "erfreute". Wie nett. Sie kam also vor allem wegen der frommen Rede, die sie, eine Naturwissenschaftlerin, die den "akademischen Betrieb immer gemocht" hat, den Absolventen mit auf den Lebensweg geben wollte. Wirklich süss von ihr. Sie schaut auch so zuckersüss drein, man möchte sie am liebsten knuddeln. Ihre undankbaren Deutschen, vor allem die aus ihrer ehemaligen Heimat, schaut sie nie so lieb an. Da macht sie eher ihren berühmten Lätschimund mitsamt der Raute, alias, komische Händestellung. Aber für Harvard Absolventinnen holt man schon mal sein Heiligengesicht hervor.

"Aber von Harvard ausgezeichnet zu werden, das ist eben noch einmal einen Tick wunderbarer. Merkel ist bekannt als Pragmatikerin, doch für das vermeintlich im - selten dämliches Wort - Elfenbeinturm wohnende akademische Milieu hatte sie und hat sie mehr als eine Schwäche. Sie glaubt, das lässt sich ohne Übertreibung sagen, an die Kraft der Wissenschaft als eine Kraft der Weltverbesserung," fährt ihr Hofnarr, äääähhh, 'tschuldigung, Hofschreiberling fort.

Wieso "Elfenbeinturm" ein selten dämliches Wort ist, erklärt er nicht weiter. Vermutlich weil er selbst zusammen mit all den anderen Links-Grün-CDUguten (dämlichen?) Hofschreiberlingen auch drinnen sitzt.

Okay, jedenfalls Merkel gefällt es dort drin offenbar sehr gut. "Wissenschaft als Weltverbesserung"? Ach ja?

Deshalb trifft sie als ehemalige Physikerin wohl derart kuriose Entscheidungen punkto Energie und Automobilindustrie usw? Kraft der Wissenschaft? Welcher Wissenschaft denn eigentlich? Der Wissenschaft der spontanen, undurchschaubaren, unüberlegten Blitzentscheidungen? Falls er das damit meint, geben wir dem Schreiberling recht.

"Eine Rede in Harvard." Diesen Satz wiederholt der Schreiberling Zaschke mehrmals. Damit er wirklich sitzt. So als Stilelement. Wahrscheinlich hat er in der Journalistenschule mal was davon gehört, dass Martin Luther Kings Reden so einprägsam und gut waren, da er immer alles mehrmals wiederholt hat, was von unbedingter Bedeutung war: "I have a dream..." I have a dream..." usw Ja, das ist wichtig und richtig, da arbeiten wir dran. Vor allem, wenn man, wie der Schreiberling selbst, in den USA, noch dazu in Boston (Harvard! Wow!) sitzt.

Hätten wir nie vermutet.

Harvard also, dort also, in Harvard also, dem " heiligen Ort der westlichen Wissenschaft" sprach die Heilige. Und ihre Rede war nicht als "Spitze gegen Trump" gedacht, nein doch nicht. Bloss nicht. Wer könnte das wohl glauben?

Merkel sei "berechenbar", meint Zaschke. Ach?! Ganz was Neues. Sie ist zwar gewissermassen schon berechenbar. Dort, wo es um ihre bodenlose Sturheit geht, da ist sie berechenbar. Wie ein Bullterrier, der sich in eine Sache verbissen hat und diese einfach nicht loslassen will. Wie in der Sache mit den Flüchtlingen, die zu 90% gar keine waren bzw sind. - Bloss, um dann plötzlich doch loszulassen und etwas ganz anderes zu wollen. Etwas, das kein Mensch erwartet hat. Wie mit der Wende in der Energie-Politik, z.B. Da liess der Terrier plötzlich los und wollte genau das Gegenteil vom Bisherigen. Also doch: Unberechenbar.

Sie rief angeblich zur "Wahrhaftigkeit gegenüber anderen und uns selbst" auf. Man dürfe "Lügen nicht Wahrheiten nennen und Wahrheiten nicht Lügen", sagt sie in ihrer Rede. In Harvard. "Natürlich wird das als Spitze gegen den Präsidenten gewertet." Pfui, aber auch. Wer denkt denn SOWAS? Hmm, die Schweizer NZZ?

Also die, die können es einfach nicht lassen, die Göttliche zu kritisieren, die sind ja bald so schlimm wie die, die, äähh - na die Unsagbaren eben. Die behaupten auch immer wieder mal, dass Merkel es mit der Wahrheit nicht so doll hat. Können wir, ehrlich gesagt, gut nachvollziehen. Was für Merkel vor - sagen wir mal 12 Jahren- noch Wahrheit war, ist heute Lüge und umgekehrt. Schwierig, da den Überblick oder den Durchblick zu behalten.

"Etwas verknappt gesagt, hat Merkel eine Rede gehalten, die so grundsätzlich war, dass sie Trump zu verstehen gab: Sie, werter Herr Präsident, sind im großen Lauf der Zeiten und der Dinge nicht wichtig genug, um Sie hier, in diesem Rahmen, an diesem schönen, nicht zu warmen und zum Glück regenfreien Tag zu erwähnen," schreibt der Schreiberling. Hier wird er im Stil wohl etwas Relotius-mässig. Schöne Beschreibung, knapp das Wetter in Boston erwähnt, 2mal, also ganz gekonnt. Sogar das Wetter spielte mit. Natürlich. Petrus kann einer, die garantiert irgendwann einmal vor seiner Himmelspforte stehen wird, ja nicht am schönsten Tag ihres Lebens das Wetter vermiesen, oder?

Vor allem, da Merkels Rede, laut dem Schreiberling, sogar "ins Metaphysische reichte. Merkel wollte in ihrer Rede in Harvard über das wirklich Große und Ganze sprechen. Wenn man so will: über die letzten Dinge." Wow! Sogar ins Metaphysische reichte sie! Und die letzten Dinge sprach sie an! Toll!! Also denkt sie schon ans Ende ihrer Tage oder was? Ans Sterben oder -hoffentlich- wenigstens endlich ans Abtreten?

Und was kommt dann? Nach dem Abtreten?

Der Schreiberling tröstet uns: Denn dass sie so ganz nebenbei in dem göttlichen Harvard auch noch die göttliche Ehrendoktorwürde bekommen hat, ist natürlich "einen Tick wunderbarer", göttlich eben. Da freut sich the cat that got the cream und grinst und grinst...

Und es wird -und nun wird er wirklich super-poetisch- wunderschön klingt das- noch viel mehr solche Ehrungen geben: "Merkel wird noch viele Ehrendoktorwürden erhalten, wenn sie einmal nicht mehr Politikerin ist. Die von Harvard noch während der aktiven Zeit einsammeln zu können, nicht als eine Art späte Gnade, das ist aus ihrer Sicht vermutlich schon einmal ganz erfreulich. Harvard wiederum fühlte sich über die Maßen geschmückt vom Besuch Merkels."

Harvard von Merkels Besuch "geschmückt". Nein wie hübsch! Wie zierlich und nett das klingt! Merkel, die schüchtern lächelnde, errötende Rose, die das gute Harvard schmückt. Die Glocken erklangen, "Als die Kanzlerin gemeinsam mit den örtlichen Honoratioren die Bühne betrat." Wirklich, man spürt den Flügelschlag des Göttlichen! Totale Metaphysik. Im Erschauern vor dem Grossen beugen wir die Knie. Die GÖTTLICHE MERKEL- wer DAS erleben durfte!

Eine Rede in Harvard. Damit es wirklich alle realisieren, wiederholt der Autor diesen Satz noch einmal, ein letztes Mal vor dem Finale.

"Es war der Moment, in dem die Naturwissenschaftlerin Angela Merkel sich auch öffentlich als metaphysische Person zeigte. Sie präsentierte sich, und das schien ihr wichtig zu sein, als zumindest auch in Teilen spirituelles Wesen. An diesem Tag in Harvard konnte man den Eindruck gewinnen, dass die in Hamburg geborene und im Brandenburgischen aufgewachsene Merkel, deren Lebensglück die Wiedervereinigung war, den Studenten eine Art west-östlichen Diwan an die Hand geben wollte. Eine Rede in Harvard. 30 000 Menschen, schweigend, lauschend."

Göttlich, göttlich, göttlich... 30'000 Menschen lauschen der Halbheiligen aus Deutschland, aus Brandenburg - grossartig, erhebend, erschauernd, erschütternd UND erst noch "gut 700 Kilometer vom Weißen Haus entfernt." Auch das noch! 700 km von Trump entfernt. Ob der das überlebt? Ob ihn nun ein Blitz des Himmels trifft? Damit er in sich geht, reuig, sich der GROSSEN MERKEL endlich zuwendet und ihre AUSGEZEICHNETEN RATSCHLÄGE UND KRITIKEN endlich beherzigt?

Flügel des Schicksals, wir hören euch schlagen!

Flammende Worte an der Wand, wir können euch lesen!

Die grosse Merkel ist erschienen, hat das armselige Menschlein Trump ignoriert und ist wieder entschwunden in die metaphysische Ewigkeit.

Amen

PS: Oh, verflixt, nun ist dieser Artikel schon wieder so lang geworden. Kürzer wäre doch besser. Aber bei DEM Thema??

PS 2: Dass Merkels "Lebensglück" die Wiedervereinigung war, haben wir bisher auch nicht wirklich gewusst. Gut hat der Schreiberling uns darüber aufgeklärt. Bisher vermittelte sie eher den Eindruck, dass sie die Deutschen im allgemeinen und ihre lieben ehemaligen Mit-Ostdeutschen im besonderen hasst. Aber, naja, natürlich, Eindrücke können täuschen. Vielleicht meint sie es ja gar nicht so und liebt ihr Vater- und Mutterland sogar? Und verbirgt diese Liebe nur ganz speziell gut?

PS 3: Wenn wir in solch unerträglich schmalzig-kitschigem Stil schreiben würden, wie der Zaschke von der Süddeutschen, würden wir uns nach einem anderen Beruf umsehen, ehrlich. Vielleicht sollte er es mal mit Groschenromanen versuchen?

(1. JUNO 2019)